
Die Tage stieß ich im Fediverse auf ein Rezept, wie ich es schon länger suche. Es geht um das Alltagsbrot meiner Vorfahren aus dem Banat. Nun war dies zwar ein Ungarisches Hausbrot, aber das muss nichts bedeuten, denn auch im Banat lebten Ungarn, Juden, Rumänen, Serben und Deutsche miteinander und teilten zwar nicht alles, aber vieles – auch die Küche und den Speiseplan. Oft sind es identische Gerichte, nur mit anderen Namen. Und da praktisch alle Zuwanderer waren und eine europäische Migrationsgeschichte hatten, findet man dieses gemeinsame Erbe auch in anderen Teilen des Kontinents von Polen bis Belgien und Luxemburg, vom Böhmerwald bis ins Elsass und nach Lothringen.
Das erwähnte Rezept gibt es in zwei Varianten auf der Seite des früheren Brotpapstes – mit Sauerteig und mit Hefe. Beide zwar hinter der Bezahlmauer, aber nun ja, wenn man einen kennt, der einen kennt… Verlinken kann und will ich sie hier aus genannten Gründen nicht. Wer sich darüber beschweren möchte, muss das woanders tun.[1]Da fällt mir ein, dass schon sehr lange ein weiteres Banater Weißbrot mit Sauerteig aus derselben Rezept-Quelle auf meiner Mal-Testen-Liste steht. Wird vorgezogen…
Jedenfalls habe ich nicht lange gebraucht, als erstes das Sauerteigbrot zu testen. Denn so, wurde mir aus zuverlässiger Quelle bestätigt, haben es auch die Banater Schwaben gebacken. Ist auch nachvollziehbar. Das waren meist eher bescheidene, sparsame Leute, mussten es auch sein. Und Sauerteig konnte man selbst herstellen; Hefe hingegen musste man kaufen.
Gestern also sind in meiner Backstube aus W550 zwei Laibe vom hellen Banater Hausbrot – ja, ich hab es umbenannt – entstanden. Um es vorwegzunehmen: Geschmacklich, aromatisch ausgezeichnet, blieben sie jedoch in puncto Volumen deutlich unter ihren Möglichkeiten. Dementsprechend ist auch die Krume nicht so porig, weich und elastisch ausgefallen, wie man sich das idealerweise wünschen würde.
Das hat, vermute ich, mehrere Gründe.
Punkt 1. Ich war nicht so überrascht über den suboptimalen Trieb, denn insgesamt, für beide Laibe, kamen lediglich 12,5 Gramm Weizen-Anstellgut in den Sauerteig. Das ist bezogen auf fast 2 Kilogramm Gesamteinwage schon sehr wenig. Und es kam auch kein bisschen Angsthefe im Hauptteig zum Einsatz. Beides war mit klar, aber ich habe mich erst mal an das Rezept gehalten, so wie es daherkam. Ändern und anpassen kann man später immer noch. So handhabe ich das (fast) immer.[2]Aber je mehr ich drüber nachdenke, meine ich, dass es sich schlicht um einen Fehler im Rezept des gefallenen Papstes handelt. So wenig (und weniger) ASG gibt es sonst nur bei einem ganz anderen … Continue reading
Punkt 2. Dann wurde der Teigling zweimal kräftig ausgestoßen. Das mache ich sonst bei vergleichbaren Teigen nie. Da wird stets nur gedehnt und gefaltet. Und so würde ich das auch beim nächsten Mal dann machen. Es hat sich einfach bewährt. Das Ausstoßen erscheint mir zu grob, um nicht zu sagen zu brutal.
Nun hatte ich also zwei Brote erbacken, die am Ende ganz gut aussahen, nur etwas flach geraten waren. Der Geschmack ist jedoch wirklich gut. Auch die Juryvorsitzende war sehr angetan, hat ein paar Scheiben gemächlich natur und getoastet verputzt, gelächelt und sich wohlwollend eingelassen. Was will man mehr? Also habe ich als ausführende Küchenhilfe für diese Art Banater Hausbrot grundsätzlich schon mal ein Go. Sehr schön.
Als nächstes wird die Hefevariante ausprobiert. Aus Prinzip. Aber ich vermute jetzt schon, dass am Ende das Sauerteigbrot auf dem Zettel Bleiberecht bekommen wird. Wenn ich den rechten Trieb in den Griff kriege. Aber da bin ich zuversichtlich. Das sollte machbar sein. Habe ja schließlich familiäre Wurzeln in der Gegend, aus der das Banater Brot stammt, und somit eine innere Verbindung. So rein spirituell gesehen. 😉
Anmerkungen
| ↑1 | Da fällt mir ein, dass schon sehr lange ein weiteres Banater Weißbrot mit Sauerteig aus derselben Rezept-Quelle auf meiner Mal-Testen-Liste steht. Wird vorgezogen… |
|---|---|
| ↑2 | Aber je mehr ich drüber nachdenke, meine ich, dass es sich schlicht um einen Fehler im Rezept des gefallenen Papstes handelt. So wenig (und weniger) ASG gibt es sonst nur bei einem ganz anderen Ansatz – Respectus Panis – mit sehr hoher Hydration und sehr langer kalter Gare. |





